Wie wirkt Psychotherapie? Welche Effekte kann ich in der Behandlung erwarten? Diese beiden Fragen höre ich in Erstgesprächen häufig.
Ich bin Stephan Löcke, Psychologe und Psychologischer Psychotherapeut in eigener Privatpraxis in Köln. In diesem Artikel zeige ich Ihnen, was Studien und Leitlinien zur Wirksamkeit der Verhaltenstherapie (KVT) sagen. Darüber hinaus bespreche ich die Effekte der Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT) sowie der Schematherapie, sofern sie für das jeweilige Störungsbild eine Rolle spielen. Beide Therapieformen können als Weiterentwicklungen der kognitiven Verhaltenstherapie betrachtet werden. Außerdem erfahren Sie, welche Nebenwirkungen auftreten können und was Sie dann tun können.
So lesen Sie die Zahlen
Effektstärken geben an, wie groß der Unterschied zwischen behandelten und unbehandelten Personen ist. In den Studien werden die Effekte als Cohen’s d und Hedges’ g angegeben. Ab etwa 0,8 spricht man von einem großen Effekt, ab 0,5 von einem mittleren Effekt. Werte von 0,2 gelten als kleiner Effekt.
Evidenzgrad: Der Evidenzgrad gibt an, wie gut eine Empfehlung durch Studien abgesichert ist.
- Grade A (starke Empfehlung): Wird in Leitlinien meist mit dem Wort „soll“ ausgedrückt. Hier liegen meist hochwertige randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) vor.
- Grade B (Empfehlung): Wird meist mit dem Wort „sollte“ ausgedrückt. Die Datenbasis ist gut, aber z. B. weniger umfangreich oder mit kleinen methodischen Schwächen.
- Grade C (offene Empfehlung): Wird meist mit dem Wort „kann“ ausgedrückt. Die Belege sind schwach oder uneinheitlich.
- KKP (klinischer Konsens / Clinical Consensus Statement): Bezieht sich auf einen Expertenantrag, der auf der klinischen Erfahrung von Fachleuten basiert, weil harte Studiendaten fehlen (z. B. bei seltenen Erkrankungen oder wenn eine Placebo-Gruppe unethisch wäre)Grade A (Starke Empfehlung): Wird in Leitlinien meist mit dem Wort „soll“ ausgedrückt. Hier liegen meist hochwertige randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) vor.
- Grade B (Empfehlung): Wird meist mit dem Wort „sollte“ ausgedrückt. Die Datenbasis ist gut, aber z. B. weniger umfangreich oder mit kleinen methodischen Schwächen.
- Grade C (Offene Empfehlung): Wird meist mit dem Wort „kann“ ausgedrückt. Die Belege sind schwach oder uneinheitlich.
- KKP (Klinischer Konsenspunkt / Clinical Consensus Statement): Ein Expertenantrag, der auf der klinischen Erfahrung der Fachleute basiert, weil harte Studiendaten fehlen (z. B. bei seltenen Erkrankungen oder wenn eine Placebo-Gruppe unethisch wäre).
Psychotherapie bei Depression: Effekte
Rund 8 % der Erwachsenen erfüllen pro Jahr die Kriterien für eine depressive Phase (12-Monats-Prävalenz). Sie gehört damit zu den häufigsten psychischen Erkrankungen.
- Verhaltenstherapie (KVT): Erste Wahl, Evidenz A. Die Effektstärke liegt bei d = 0,82 und ist damit groß. Die KVT ist die am besten untersuchte Psychotherapieform bei Depressionen. Die S3-Leitlinie empfiehlt sie bei leichter, mittelgradiger und schwerer Depression. Ihre Wirksamkeit ist mit der von Medikamenten vergleichbar. Nach Therapieende kommt es seltener zu Rückfällen. Eine große Netzwerk-Metaanalyse (Cuijpers et al., 2024, 385 Studien) fand einen mittleren Effekt von g = 0,56 gegenüber Kontrollgruppen. Sie zeigte auch, dass alle evidenzbasierten Psychotherapien ähnlich gut wirken.
- ACT: Evidenz B. Die Akzeptanz- und Commitmenttherapie (ACT) kommt infrage bei starker Erlebnisvermeidung, chronischer Depression oder gleichzeitigen Schmerzstörungen. Auch wenn klassische KVT-Techniken aus anderen Gründen nicht zur Anwendung kommen, kann sie eine gute Alternative sein.
- Schematherapie: Evidenz B. Sie hilft besonders bei chronischer Depression mit frühen, belastenden Lebensmustern (Schemata). Das gilt vor allem, wenn zusätzlich eine Persönlichkeitsproblematik besteht.insbesondere, wenn zusätzlich eine Persönlichkeitsproblematik besteht.
Gut zu wissen: Bei schwerer Depression zeigt die Kombination aus Psychotherapie und Medikation die besten Effekte (Evidenz A). Eine Erhaltungstherapie von mindestens 6 bis 9 Monaten nach der Besserung senkt das Rückfallrisiko laut S-3-Leitlinie um 40 bis 50%.
Psychotherapie bei Angststörungen: Effekte
Angststörungen sind mit rund 15 % pro Jahr die häufigste psychische Störung. Dazu gehören Panikstörung, Agoraphobie, soziale Phobie, spezifische Phobien und die generalisierte Angststörung.
- Verhaltenstherapie mit Exposition: Erste Wahl, Evidenz A. Die Effektstärke beträgt d = 1,06 und ist damit sehr groß. Die S3-Leitlinie (AWMF 051-028) empfiehlt eine Expositionsbehandlung für alle Angststörungen. Etwa 60 bis 80 % der Behandelten berichten von einer deutlichen Besserung. Nach erfolgreicher KVT liegen die Rückfallraten über zwei Jahre bei 15 bis 25 %. Bei sozialer Phobie wird für die Einzeltherapie ein Effekt von d = 1,2 berichtet.
- ACT: Evidenz B. Die Akzeptanz und Commitmenttherapie wird bei generalisierter Angst oder chronischer Angst mit hoher Erlebnisvermeidung eingesetzt. Im Mittelpunkt stehen Akzeptanz der Angst und ein Handeln nach den eigenen Werten.
Psychotherapie bei Zwangsstörungen: Effekte
Rund 1 bis 3 % der Menschen erkranken pro Jahr an einer Zwangsstörung. Bis zur Diagnosestellung vergehen im Schnitt 7 bis 10 Jahre.
- Verhaltenstherapie mit Exposition und Reaktionsverhinderung (ERP): Erste Wahl, Evidenz A. Die Effektstärke liegt bei d = 1,13. Bei der ERP setzen Sie sich zwangsauslösenden Situationen aus, ohne das Zwangsritual auszuführen. Etwa 60 bis 70 % erreichen eine klinisch bedeutsame Besserung, 25 bis 30 % eine vollständige Remission. Die Rückfallrate nach KVT liegt bei 20 bis 30 %.
- Die Rückfallrate von Psychotherapie ist deutlich geringer als bei einer alleinigen Behandlung durch ein Medikament. Die Rückfallrate nach dem Absetzen eines alleinigen Psychopharmakons liegtbei 50 bis 80 %. Bei mittelschwerer bis schwerer Zwangsstörung empfiehlt die Leitlinie (AWMF 038-017) zusätzlich die Einnahme eines selektiven Serotonin-Wiederaufnahmeinhibitors (SSRI).
- ACT: Evidenz B. Akzeptanz- und Commitmenttherapie (ACT) kann den Einstieg in die ERP erleichtern, wenn die Übungen zunächst zu konfrontativ wirken. Zwangsgedanken werden dabei als Gedanken beobachtet, ohne darauf zu reagieren.
- Schematherapie: Evidenz C. Sie ist bei langem Verlauf mit Persönlichkeitsproblematik denkbar, aber nur als Ergänzung zur ERP und nicht als alleinige Behandlung.
Psychotherapie bei Suchterkrankungen: Effekte
Alkohol ist in Deutschland mit Abstand die häufigste Suchtsubstanz. Im Folgenden werden Effekte im Bezug auf Alkohol beschrieben. Zu anderen Substanzen (Kokain, Heroin, Cannabis) fehlen qualitativ hochwertige Studien.
- Kognitive Verhaltenstherapie: Erste Wahl, Evidenz A. Die Effektstärke beträgt d = 0,75, also mittel bis groß. Die S3-Leitlinie zu alkoholbezogenen Störungen empfiehlt sie, zusammen mit motivierender Gesprächsführung und einer Rückfallprävention. Eine Metaanalyse (Magill et al., 2019, 96 Studien) fand einen mittleren Effekt von g = 0,52. Die Effekte waren bei Cannabis und Kokain am höchsten, bei Alkohol moderat. Mit Entzug, Entwöhnung und Nachsorge erreichen 40 bis 50 % der Alkoholabhängigen über ein Jahr stabile Abstinenz.
- ACT: Evidenz B. Sie hilft, wenn Konsum vor allem dazu dient, unangenehme innere Zustände zu vermeiden. Die Belege sind bei Tabak und Alkohol gut.
- Schematherapie: Evidenz B. Sie kann bei langen Verläufen mit früher Traumatisierung und Persönlichkeitsproblematik helfen.
Wichtig: Bei starker körperlicher Abhängigkeit, insbesondere bei Alkohol, erfolgt vor der Psychotherapie ein qualifizierter, medizinisch begleiteter Entzug.
Psychotherapie bei ADHS im Erwachsenenalter: Effekte
Etwa 1-3 % der Erwachsenen sind von ADHS mit Persistenz im Erwachsenenalter betroffen. Viele erfahren erst spät von ihrer Diagnose, oft über Folgeprobleme wie Depression oder Ängste.
- Verhaltenstherapie (KVT): Erste Wahl, Evidenz A. Die Effektstärke liegt bei d = 0,76 und ist damit groß. Gestützt wird das vom European Consensus Statement (Kooij et al., 2019) und der NICE-Leitlinie NG87. Die Behandlung umfasst Psychoedukation, Organisation, Zeitmanagement und Emotionsregulation. Selbstabwertung und Scham werden ebenfalls bearbeitet. Ein Cochrane-Review (2018, 14 Studien) fand eine mittlere Symptomreduktion. Die Studienqualität wird dort als niedrig bis moderat eingestuft.
- ACT: Evidenz B. ACT hilft bei Selbstabwertung, Scham und Vermeidung nach vielen Rückschlägen.
- Schematherapie: Evidenz C. Sie kommt in Betracht, wenn Muster wie „Ich versage immer“ die ADHS-Symptome stark überlagern.
Gut zu wissen: Bei mittelgradiger bis schwerer ADHS empfehlen Leitlinien eine Medikation als Erstlinienbehandlung. Die Kombination mit Psychotherapie zeigt die höchsten Effekte (Evidenz A).
Psychotherapie bei Persönlichkeitsstörungen: Effekte
Persönlichkeitsstörungen galten lange als kaum behandelbar. Die Forschung zeigt ein anderes Bild. In der bekannten McLean-Studie erfüllten nach zehn Jahren 85 % der Borderline-Betroffenen die Kriterien nicht mehr. Die Leitlinie empfiehlt bei der Borderline-Störung mindestens 1 bis 3 Jahre störungsspezifische Therapie.
- Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT, verhaltenstherapeutisch): Erste Wahl, Evidenz A. Die Effektstärke beträgt d = 0,78. Die DBT ist die am besten untersuchte Therapie bei Borderline. Sie verringert Suizidversuche, Selbstverletzung und stationäre Aufnahmen. Dazu kommt ein Skillstraining für Achtsamkeit, Stresstoleranz, Emotionsregulation und zwischenmenschliche Fertigkeiten.
- Schematherapie: Erste Wahl, Evidenz A. Die Effektstärke liegt bei d = 0,71. Die Leitlinie (AWMF 028-012) empfiehlt sie als störungsspezifisches Verfahren. Sie arbeitet mit frühen Lebensmustern und inneren Anteilen („Modi“). In einer Metaanalyse (Cristea et al., 2017) zeigte sie die niedrigsten Abbruchraten.
- KVT: Evidenz B. Bei ängstlich-vermeidenden, abhängigen und zwanghaften Persönlichkeitsstörungen (Cluster C) wirkt die KVT mit kognitiver Arbeit und Expositionsübungen. Die Behandlung ist oft kürzer.
- ACT: Evidenz B. ACT fördert psychische Flexibilität, besonders bei starrer Erlebnisvermeidung. Bei Borderline ergänzt sie die DBT-Skills, etwa bei innerer Leere.
Psychotherapie bei Schlafstörungen: Effekte
Rund 6 bis 10 % der Erwachsenen leiden pro Jahr an einer Insomnie. Unbehandelt bleibt sie bei mehr als der Hälfte länger als ein Jahr bestehen.
- Kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie (KVT-I): Erste Wahl, Evidenz A. Die Effektstärke beträgt g ≈ 0,98 (van Straten et al., 2018) und ist damit groß. Die S3-Leitlinie (AWMF 063-003) empfiehlt die KVT-I als erste Behandlungsoption, vor jeder Schlafmedikation. Zu den Bausteinen gehören Stimuluskontrolle, Schlafrestriktion, kognitive Techniken und Entspannung. Die Effekte bleiben nach Therapieende stabil. Schlafhygiene-Tipps allein reichen bei chronischer Insomnie nicht aus (Evidenz B).
- ACT: Evidenz B. ACT hilft, wenn der Kampf gegen das Wachliegen selbst zum Problem geworden ist. Akzeptanz ersetzt dann den Einschlafdruck.
Psychotherapie bei Autismus-Spektrum-Störungen: Effekte
Autismus ist keine Krankheit, die „weggeht“. Ziele der Therapie sind Lebensqualität, Teilhabe und die Behandlung begleitender Belastungen wie Depression, Angst oder Erschöpfung. Viele Erwachsene erhalten ihre Diagnose erst spät.
- Verhaltenstherapie (KVT): Evidenz B. Die Datenlage ist hier dünner. Für Erwachsene gibt es keine belastbare gepoolte Effektstärke, nur moderate Effekte aus Einzelstudien. Empfohlen wird ein autismusspezifisch angepasstes Vorgehen. Dazu gehören Psychoedukation, ein Gruppentraining sozialer Kompetenzen (z. B. FASTER) und die Behandlung begleitender Störungen. Das Vorgehen ist klar, explizit und strukturiert, mit Rücksicht auf Reize und Tempo.
- ACT: Evidenz B. In angepasster Form, mit konkreten, kurzen Übungen statt offener Metaphern, zeigte sie in einer randomisierten Studie weniger Depressivität, Ängstlichkeit und Grübeln (Spek et al., 2013).
- Als weiteres verhaltenstherapeutisches Verfahren nennt die Quelle adaptierte DBT-Skills (Evidenz C) bei starken Gefühlsschwankungen.
Psychotherapie in Köln: So starten Sie bei mir
In meiner psychotherapeutischen Privatpraxis behandle ich Privatversicherte, Selbstzahler sowie Personen, die über die Beihilfe oder die freie Heilfürsorge versichert sind. Sie können bei mir ohne lange Wartezeit starten. Meine Praxis am Hansaring 45-47 in der Kölner Innenstadt liegt in der Nähe des Mediaparks. Sie ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln und mit dem Auto gut erreichbar.
Wenn Sie wissen möchten, welche Behandlung zu Ihnen passt, schreiben Sie mir gerne eine E-Mail.