Psychotherapie Persönlichkeitsstörungen in Köln

In meiner Kölner Privatpraxis für Psychotherapie behandle ich Menschen mit Persönlichkeitsstörungen auf ihrem Weg zu mehr Lebensqualität. Je nach Störung arbeite ich gerne mit der dialektisch-behavioralen Therapie (DBT) sowie der Schematherapie. Dies sind zwei evidenzbasierte Verfahren, die sich in der Therapie von Persönlichkeitsstörungen als besonders wirksam erwiesen haben.

Etwa 9 % der Bevölkerung erfüllen die Kriterien für eine Persönlichkeitsstörung. Dabei ist es wichtig zu verstehen, dass nicht jede ausgeprägte Charaktereigenschaft oder Verhaltenstendenz automatisch eine Störung bedeutet. Wir alle haben unseren individuellen Persönlichkeitsstil. Erst wenn bestimmte Muster so starr und problematisch werden, dass sie wiederholt zu Konflikten, Leiden oder massiven Einschränkungen im Alltag führen, sprechen wir von einer Persönlichkeitsstörung. Wenn kein Leidensdruck und keine Probleme im Alltag bestehen, ist es auch hilfreicher, von einer Normvariante des normalen Funktionierens zu sprechen.

Persönlichkeitsstil oder Persönlichkeitsstörung?

Der zentrale Unterschied zwischen Persönlichkeitsstil und Persönlichkeitsstörung liegt in der Flexibilität und im Leidensdruck:

  • Persönlichkeitsstil: charakteristische Denk-, Fühl- und Verhaltensmuster, die zwar ausgeprägt sind, aber situationsangemessen angepasst werden können. Sie prägen die Persönlichkeit, führen aber nicht zwingend zu Problemen.
  • Persönlichkeitsstörung: tief verwurzelte, unflexible Muster, die über Jahre bestehen, in vielen Lebensbereichen auftreten und erhebliches Leiden verursachen.

„Auch was wir am meisten sind, sind wir nicht immer.“

– Marie von Ebner-Eschenbach, Schriftstellerin

Welche Persönlichkeitsstörungen gibt es?

In der ICD-10 werden drei Cluster unterschieden. Menschen mit Cluster-A-Persönlichkeitsstörungen wirken auf andere häufig fremd, zurückgezogen oder misstrauisch. Ihr Erleben ist oft geprägt von einer tiefen Skepsis gegenüber anderen Menschen und einer Tendenz zur inneren Isolation. Der Kontakt zur sozialen Welt fühlt sich für sie entweder bedrohlich oder schlicht unnötig an.

Cluster-B-Störungen sind durch intensive Emotionalität, Impulsivität und häufig turbulente zwischenmenschliche Beziehungen gekennzeichnet. Betroffene erleben sich selbst und andere oft in extremen Gegensätzen – idealisiert oder entwertet, nah oder unerträglich fern. Nach außen wirken sie manchmal fordernd oder dramatisch, dahinter verbirgt sich meist ein tiefes Bedürfnis nach Stabilität und Anerkennung.

Im Zentrum der Cluster-C-Störungen stehen Angst, Unsicherheit und das Bedürfnis nach Kontrolle oder Anlehnung. Betroffene vermeiden häufig Situationen, die Scham, Ablehnung oder Kontrollverlust auslösen könnten – und schränken ihr Leben dadurch oft erheblich ein. Der Leidensdruck ist hoch, bleibt aber nach außen oft unsichtbar.

Cluster A – Sonderbar/Exzentrisch

StörungKernstichwörter
Paranoide PSMisstrauen, Kränkbarkeit, Feindseligkeit, Kontrollverlustangst, Beziehungsideen, Überempfindlichkeit, Rechthaberei
Schizoide PSEmotionale Kälte, sozialer Rückzug, Einzelgängertum, Interessenarmut, Distanz, Gleichgültigkeit, innere Isolation
Schizotypische PSMagisches Denken, Beziehungsideen, exzentrisches Verhalten, kognitive Verzerrungen, sozialer Rückzug, Misstrauen

Cluster B – Dramatisch/Emotional

StörungKernstichwörter
Borderline PSEmotionale Dysregulation, Impulsivität, instabile Beziehungen, Selbstverletzung, Identitätsdiffusion, Verlustangst, Schwarz-Weiß-Denken
Narzisstische PSGrandiosität, Empathiemangel, Kränkbarkeit, Bewunderungsbedürfnis, Scham, Überlegenheitsgefühl, Entwertung
Antisoziale PSRegelbruch, Impulsivität, Verantwortungslosigkeit, fehlende Empathie, Manipulation, geringe Frustrationstoleranz
Histrionische PSAufmerksamkeitssuche, Dramatisierung, Oberflächlichkeit, Verführbarkeit, emotionale Labilität, Egozentrik

Cluster C – Ängstlich/Vermeidend

StörungKernstichwörter
Selbstunsichere PSSoziale Hemmung, Minderwertigkeitsgefühle, Kritikangst, Ablehnung, Vermeidung, Scham, Einsamkeit
Dependente PSAbhängigkeit, Entscheidungsunfähigkeit, Trennungsangst, Unterwerfung, Klammern, Selbstaufgabe
Zwanghafte PSPerfektionismus, Kontrolle, Rigidität, Ordnungsdenken, Flexibilitätsmangel, emotionale Einschränkung, Pflichtüberbetonung

Diagnostik der Persönlichkeitsstörungen

Die Diagnostik von Persönlichkeitsstörungen hat sich in den vergangenen Jahren deutlich weiterentwickelt. Während früher vor allem kategoriale Modelle (z.B. ICD-10) verwendet wurden, die Persönlichkeitsstörungen in klar abgegrenzte Typen einteilen (wie Borderline-, narzisstische oder dependente Persönlichkeitsstörung), setzt sich zunehmend ein dimensionales Verständnis durch.

Das dimensionale Modell (z.B. im ICD-11 oder im alternativen DSM-5-Modell) betrachtet Persönlichkeitsstörungen nicht als feste Kategorien, sondern als Ausprägungen auf verschiedenen Dimensionen problematischer Persönlichkeitsmerkmale:

  • Negative Affektivität (emotionale Labilität, Ängstlichkeit)
  • Dissozialität (Manipulation, Rücksichtslosigkeit)
  • Enthemmung (Impulsivität, Verantwortungslosigkeit)
  • Zwanghaftigkeit (Perfektionismus, Rigidität)
  • Distanziertheit (sozialer Rückzug, eingeschränkte Emotionalität)

Dieser Ansatz ermöglicht eine individuellere und präzisere Diagnostik, da die meisten Betroffenen nicht nur die Kriterien einer einzigen Störung erfüllen, sondern auch Merkmale verschiedener Muster aufweisen. In meiner Praxis in Köln arbeite ich mit beiden Ansätzen, um ein möglichst differenziertes Bild der Persönlichkeitsstruktur zu gewinnen.

Ursachen von Persönlichkeitsstörungen

Die Entstehung von Persönlichkeitsstörungen ist multifaktoriell bedingt, das heißt, verschiedene Einflüsse wirken zusammen:

  • Genetische und neurobiologische Faktoren: Es gibt Hinweise auf eine genetische Vulnerabilität. Studien zeigen, dass Persönlichkeitsstörungen familiär gehäuft auftreten. Auch neurobiologische Besonderheiten bei der Emotions- und Impulsregulation spielen eine Rolle.
  • Frühe Bindungserfahrungen: Unsichere, desorganisierte oder traumatische Bindungserfahrungen in der Kindheit erhöhen das Risiko deutlich. Emotionale Vernachlässigung, inkonsistente Erziehung oder das Fehlen der Validierung emotionaler Bedürfnisse können die Entwicklung problematischer Persönlichkeitsmuster begünstigen.
  • Traumatische Erfahrungen: Körperliche, sexuelle oder emotionale Gewalt in der Kindheit findet sich in der Vorgeschichte vieler Betroffener – insbesondere bei Borderline-Persönlichkeitsstörung.
  • Psychosoziale Faktoren: Auch spätere Lebenserereignisse wie chronische Konflikte, soziale Isolation oder wiederholte Beziehungsabbrüche können zur Verfestigung problematischer Muster beitragen.

Psychotherapie bei Persönlichkeitsstörungen

Persönlichkeitsstörungen gelten heute als gut behandelbar. Die S3-Leitlinie für Borderline-Persönlichkeitsstörungen empfiehlt spezialisierte psychotherapeutische Verfahren als Behandlung der Wahl.

Der Psychotherapeut Rainer Sachse versteht Persönlichkeitsstörungen als das Ergebnis von Bedürfnisfrustrationen tief verankerter, unerfüllter psychologischer Grundbedürfnisse nach Anerkennung, Zugehörigkeit und Autonomie. Diese wurden in der Kindheit und Jugend nicht ausreichend befriedigt. Um diese Bedürfnisse dennoch zu schützen, entwickeln Betroffene auf der Motivebene dysfunktionale Strategien: sogenannte Beziehungsspiele und Vermeidungsmuster, die kurzfristig entlasten, langfristig jedoch Beziehungen belasten und das eigene Erleben einschränken. Ziel der Therapie ist es, diese unbewussten Muster auf der Schemaebene transparent zu machen, die dahinterliegenden Bedürfnisse bewusst wahrzunehmen und gesündere Wege zu entwickeln, um sie im Alltag und in Beziehungen zu erfüllen.

In meiner Privatpraxis in Köln arbeite ich vorwiegend mit der dialektisch-behavioralen Therapie (DBT) und der Schematherapie – zwei Ansätze, die sich in Forschung und Praxis als hocheffektiv erwiesen haben.

Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) bei Borderline

Die Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) wurde von Marsha Linehan ursprünglich für die Behandlung der Borderline-Persönlichkeitsstörung entwickelt und gilt heute als Goldstandard zur Behandlung von Persönlichkeitsstörungen des emotional-instabilen Typs. Mittlerweile wird DBT auch erfolgreich bei anderen Persönlichkeitsstörungen mit Schwierigkeiten in der Emotionsregulation eingesetzt.

„You can’t think yourself into new ways of acting; you only can act yourself into new ways of thinking“

– Marsha Linehan, Begründerin der DBT

Zentrale Elemente der DBT

Die DBT kombiniert verhaltenstherapeutische Strategien mit achtsamkeitsbasierten und akzeptanzorientierten Techniken. Der Begriff „dialektisch“ bezieht sich auf das Gleichgewicht zwischen Akzeptanz (die Dinge sind, wie sie sind) und Veränderung (die Arbeit an Verbesserungen).

Vier Fertigkeiten-Module:

  1. Achtsamkeit: Bewusste, wertfreie Wahrnehmung des gegenwärtigen Moments. Dies hilft, automatische Reaktionsmuster zu unterbrechen und mehr Handlungsspielraum zu gewinnen.
  2. Stresstoleranz: Techniken zum Umgang mit Krisen und intensiven Gefühlen, ohne zu selbstschädigenden Verhaltensweisen zu greifen. Dazu gehören Skills wie die „5-4-3-2-1-Technik“, Kältereize oder Ablenkungsstrategien.
  3. Emotionsregulation: Verstehen, wie Emotionen funktionieren, und lernen, sie zu beeinflussen – durch Verhaltensaktivierung, das Gegenteil der emotionalen Handlungsimpulse zu tun oder positive Erlebnisse aufzubauen.
  4. Zwischenmenschliche Fertigkeiten: Beziehungen gestalten, eigene Bedürfnisse angemessen kommunizieren, Grenzen setzen und gleichzeitig Beziehungen aufrechterhalten.

Schematherapie bei Persönlichkeitsstörungen

Die Schematherapie nach Jeffrey Young ist ein integratives Verfahren, das besonders bei chronischen Persönlichkeitsstörungen wirksam ist. Sie verbindet Elemente aus Verhaltenstherapie, Bindungstheorie, Gestalttherapie und psychodynamischen Ansätzen.

Grundannahmen der Schematherapie

Persönlichkeitsstörungen entstehen durch maladaptive Schemata – tief verwurzelte Lebensmuster, die in der Kindheit aus unerfüllten emotionalen Grundbedürfnissen (z.B. nach Sicherheit, Autonomie, Zugehörigkeit, Selbstwert) hervorgegangen sind.

Modi-Arbeit in der Schematherapie

Ein zentrales Konzept sind die Modi – verschiedene emotionale Zustände, zwischen denen Betroffene wechseln. Bei Borderline-Persönlichkeitsstörung können das etwa sein:

  • Verlassenes/missbrauchtes Kind: Intensive Gefühle von Einsamkeit, Angst, Trauer
  • Wütendes/impulsives Kind: Wut, Kontrollverlust, selbstschädigendes Verhalten
  • Strafender Modus: Selbstkritik, Selbstbestrafung, Schuldgefühle
  • Distanzierter Beschützer: Emotionale Abschottung, Vermeidung

In der Therapie lernen Sie, diese Modi zu erkennen, zu verstehen und gesunde Bewältigungsstrategien zu entwickeln. Durch erlebnisorientierte Techniken wie Stühlearbeit, Imaginationen oder Dialoge zwischen verschiedenen Modi werden alte Muster emotional erfahrbar gemacht und neue, heilsame Erfahrungen ermöglicht. Ziel ist es, den gesunden Erwachsenen-Modus zu stärken – einen inneren Zustand, in dem Sie Ihre Bedürfnisse wahrnehmen, angemessen für sich sorgen und flexibel auf Situationen reagieren können.

Medikamentöse Behandlung bei Persönlichkeitsstörungen

Eine medikamentöse Therapie ist nicht die primäre Behandlung bei Persönlichkeitsstörungen, kann jedoch ergänzend hilfreich sein, insbesondere bei komorbiden Störungen wie Depressionen, Angststörungen und Zwangsstörungen.

Häufig eingesetzte Medikamente:

Bei emotionaler Instabilität und Impulsivität: Stimmungsstabilisierer oder niedrig dosierte Antipsychotika können helfen, emotionale Schwankungen zu dämpfen.

Bei komorbider Depression oder Angst: Antidepressiva (SSRIs, SNRIs) werden eingesetzt, wenn zusätzlich zur Persönlichkeitsstörung eine depressive Episode oder Angststörung vorliegt.

Persönlichkeitsstörungen und Komorbidität

Persönlichkeitsstörungen treten häufig in Kombination mit anderen psychischen Erkrankungen auf, was die Behandlung komplexer macht. Typische Komorbiditäten sind:

In meiner Privatpraxis in Köln berücksichtige ich diese Komorbiditäten von Anfang an bei der Behandlungsplanung. Oft ist es notwendig, sowohl an den Persönlichkeitsmustern als auch an den begleitenden Störungen zu arbeiten.

Selbsthilfe & Informationsangebote

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Häufig gestellte Fragen Persönlichkeitstörungen

Was ist der Unterschied zwischen einem Persönlichkeitsstil und einer Persönlichkeitsstörung?

Wir Menschen haben alle charakteristische Denk-, Fühl- und Verhaltensmuster – das ist unser individueller Persönlichkeitsstil. Dieser kann durchaus ausgeprägt sein, ohne ein Problem darzustellen. Entscheidend ist, ob diese Muster flexibel auf verschiedene Situationen angepasst werden können und ob sie dabei Leidensdruck verursachen.
Von einer Persönlichkeitsstörung sprechen wir erst dann, wenn bestimmte Muster so starr und unflexibel werden, dass sie wiederholt zu Konflikten, erheblichem Leiden oder massiven Einschränkungen im Alltag führen und das über viele Jahre und in verschiedenen Lebensbereichen hinweg. Bestehen weder Leidensdruck noch relevante Alltagsprobleme, ist es treffender, von einem Persönlichkeitsstil zu sprechen.

Welche Ursachen hat eine Persönlichkeitsstörung – und welche Rolle spielen Kindheitserfahrungen?

Die Entstehung von Persönlichkeitsstörungen ist multifaktoriell bedingt. Verschiedene biologische, psychologische und soziale Einflüsse wirken zusammen. Es gibt Hinweise auf genetische und neurobiologische Faktoren. Frühe Bindungserfahrungen, traumatische Erfahrungen in der Kindheit sowie psychosoziale Faktoren wie chronische Konflikte, soziale Isolation oder wiederholte Beziehungsabbrüche können zur Verfestigung problematischer Muster beitragen.
Kindheitserfahrungen spielen also eine zentrale, aber keine allein entscheidende Rolle. Die Entstehung ist immer ein Zusammenspiel aus Anlage und Erfahrung.

Sind Persönlichkeitsstörungen heilbar? Und wie lange dauert eine Psychotherapie?

Persönlichkeitsstörungen gelten heute als gut behandelbar. Das Ziel ist weniger eine vollständige „Heilung“ im klassischen Sinne, sondern eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität: mehr Flexibilität im Denken, Fühlen und Handeln, stabilere Beziehungen und ein besserer Umgang mit sich selbst.
Die Dauer einer Therapie ist individuell verschieden und hängt von der Schwere der Störung, möglichen Begleiterkrankungen und den persönlichen Zielen ab. In der Regel handelt es sich um eine längerfristige Behandlung von einem bis mehreren Jahren.

Was ist die dialektisch-behaviorale Therapie (DBT)?

Die Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) wurde von Marsha Linehan ursprünglich zur Behandlung der Borderline-Persönlichkeitsstörung entwickelt und gilt heute als Goldstandard bei Persönlichkeitsstörungen des emotional-instabilen Typs. Mittlerweile wird sie auch erfolgreich bei anderen Störungen mit Schwierigkeiten bei der Emotionsregulation eingesetzt.
DBT kombiniert verhaltenstherapeutische Strategien mit achtsamkeitsbasierten und akzeptanzorientierten Techniken. Der Begriff „dialektisch“ steht für das Gleichgewicht zwischen zwei scheinbaren Gegensätzen: Akzeptanz (die Dinge sind, wie sie sind) und Veränderung (die aktive Arbeit an Verbesserungen).
DBT ist besonders geeignet für Menschen mit ausgeprägten emotionalen Schwankungen, Impulsivität, Selbstverletzungstendenzen oder instabilen Beziehungsmustern.