Betroffene von Zwangsstörungen haben den inneren Drang, bestimmte Dinge zu tun oder zu denken. Die Betroffenen wissen, dass ihre Zwänge „übertrieben“ oder „unnötig“ sind – sie fühlen sich ihnen aber trotzdem ausgeliefert. In der Praxis werden Zwangsstörungen leider häufig übersehen oder falsch diagnostiziert; dabei stellen sie in Deutschland die vierthäufigste psychische Erkrankung dar.
In der Diagnostik wird häufig der Unterschied zwischen Zwangsgedanken und Zwangshandlungen gemacht; ein Großteil der Betroffenen zeigt jedoch beide Symptome.
Typische Zwänge:
– Kontrollzwänge (z.B. wiederholtes Kontrollieren von Herd / Türen)
– Wasch- und Reinigungszwänge (z.B. häufiges, ritualisiertes Waschen oder Putzen aus Angst vor Schmutz, Keimen oder einer Ansteckung)
– Ordnungs- und Symmetriezwänge (z.B. das starke Bedürfnis nach Ordnung, Genauigkeit und Symmetrie, verbunden mit Unruhe oder Anspannung, wenn „etwas nicht stimmt“)
– Zwangsgedanken (obsessive Grübelzwänge, z.B. die Angst jemanden zu verletzen)
Behandlung der Zwangsstörung
In der aktuellen S3-Leitlinie wird die Exposition mit Reaktionsverhinderung (ERP) als Behandlung der ersten Wahl empfohlen. Medikamente (z.B. SSRIs) können ergänzend sinnvoll sein. Im Zentrum steht jedoch die Exposition mit Reaktionsverhinderung.
Ablauf der Behandlung
In der Therapie findet unter Begleitung eine Konfrontation mit belastenden Befürchtungen, Ängsten und schwierigen Situationen statt. Wichtig ist dabei, dass das typische neutralisierende Verhalten (z.B. Händewaschen, Kontrollrituale, gedankliches Nachkonstruieren der Situation) unterlassen wird.
Durch wiederholte Expositionen – ohne die Zwangshandlungen auszuführen – gewinnen Sie mehr innere Freiheit und der Zwang verliert an Macht.
Nachfolgend spielt auch die Arbeit an Fehlbewertungen (z.B.: übertriebene persönliche Verantwortung, Überschätzung von Gefahren und Risiken sowie emotionale Beweisführung) eine wichtige Role. Achtsamkeitsbasierte Ansätze unterstützen Sie dabei, mehr Distanz gegenüber belastenden Gedanken zu entwickeln. Dies ist insbesondere im Hinblick auf schambesetzte Gedanken (z.B. bei aggressiven oder sexuellen Zwangsinhalten) sehr hilfreich.
In meiner Praxis in Köln biete ich sowohl Expositionen in der Praxis als auch im Rahmen von Hausbesuchen an. Bei Bedarf können auch Online-Sitzungen durchgeführt werden. So ist eine alltagsnahe Konfrontation mit den Zwängen im häuslichen Kontext möglich. Eine intensive therapeutenbegleitete Expositionsbehandlung führt bei einem Großteil der Betroffenen zu einer deutlichen Reduktion der Beschwerden.
Selbsthilfe & Literaturempfehlungen
- Deutschen Gesellschaft Zwangserkrankungen
- Tyrannen in meinem Kopf von Winston und Seif
- Podcastreihe vom OCD Land
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