Behandlung von Angststörungen

Angststörungen gehören in Deutschland zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Dabei ist Angst menschlich und gehört zu unserem Leben dazu. Sie warnt uns vor Gefahren, macht uns aufmerksam und hilft, Grenzen zu setzen. Von einer Angststörung ist die Rede, wenn sie zu stark wird, zu häufig auftritt oder sie beginnt, Ihren Alltag zu bestimmen.

In meiner Praxis behandle ich folgende Formen von Angststörungen:

  • Panikstörung
  • Generalisierte Angststörung (GAS)
  • Soziale Phobie
  • Spezifische Phobie

Symptome der Angststörungen

Typisch für Angststörungen ist die Kombination aus körperlichen Symptomen, belastenden Gedanken und Vermeidungsverhalten. Häufige körperliche Beschwerden sind zum Beispiel:

  • Herzrasen, Zittern, Schwitzen
  • Engegefühl in der Brust, Atemnot
  • Schwindel, Übelkeit, weiche Knie
  • Unruhe, Schlafstörungen, Anspannung der Muskulatur

Dazu kommen typische Gedanken wie:

  • „Mit mir stimmt etwas nicht.“
  • „Gleich passiert etwas Schlimmes.“
  • „Ich blamiere mich vor anderen.“
  • „Ich halte das nicht aus.“

Um diese Gefühle nicht spüren zu müssen, beginnen Betroffene oft, Orte, Situationen oder Tätigkeiten zu vermeiden. Kurzfristig kann das entlasten – langfristig verstärkt Vermeidungsverhalten und Sicherheitsverhalten die Angst.


Panikstörung

Wie zeigt sich eine Panikstörung?

Bei einer Panikstörung kommt es zu wiederkehrenden Panikattacken, die meist unerwartet auftreten. Eine Panikattacke ist ein plötzlicher, intensiver Angstanfall, welcher oft nur wenige Minuten dauert, sich aber sehr bedrohlich anfühlt.

Typische Gedanken während einer Attacke:

  • „Ich bekomme einen Herzinfarkt.“
  • „Ich ersticke.“
  • „Ich drehe durch / verliere die Kontrolle.“

Viele Betroffene suchen zunächst Notaufnahmen oder Ärzt:innen auf, weil sie die Symptome als körperlich lebensbedrohlich deuten. Wenn medizinisch keine Ursache gefunden wird, bleibt häufig die Verunsicherung: „Was stimmt nicht mit mir?“

Aus Angst vor neuen Attacken beginnen viele Menschen, bestimmte Orte oder Situationen zu meiden (z.B. volle Bahnen, Supermärkte, längere Autofahrten). Teilweise entwickelt sich daraus eine Agoraphobie (Angst vor öffentlichen Plätzen oder Situationen, aus denen Flucht schwierig erscheint).

Behandlung der Panikstörung

In der kognitiven Verhaltenstherapie geht es vor allem darum,

  • die körperlichen Symptome der Angst zu verstehen,
  • katastrophisierende Gedanken zu erkennen und zu überprüfen,
  • sich schrittweise den gefürchteten Situationen wieder zu nähern.

Typische Bestandteile der Behandlung:

  1. Psychoedukation
    Sie erfahren, was in Körper und Gehirn während einer Panikattacke geschieht und warum Panik – so unangenehm sie ist – nicht gefährlich ist.
  2. Arbeit mit Gedanken
    Wir identifizieren typische Angstgedanken („Ich sterbe gleich“) und stellen sie mithilfe von Erfahrung, Wissen und gezielten Übungen auf den Prüfstand.
  3. Exposition und Verhaltensexperimente
    Sie üben, sich den gefürchteten Körpersymptomen und Situationen gezielt und kontrolliert auszusetzen, statt sie zu vermeiden (z.B. bewusst schneller atmen, Treppen laufen, volle Busse nutzen). So sammelt Ihr Körper neue Erfahrungen: Die Angst steigt, hält aber nicht unendlich an und geht auch wieder zurück.
  4. Rückfallprophylaxe
    Am Ende der Therapie entwickeln wir Strategien, wie Sie mit möglichen Rückfällen oder einzelnen Panikattacken gelassener umgehen können.

Generalisierte Angststörung (GAS)

Woran erkennt man eine generalisierte Angststörung?

Menschen mit einer generalisierten Angststörung berichten von dauerhaftem, schwer kontrollierbarem Sorgenkreisen. Die Themen wechseln – die Form bleibt gleich:

  • Gesundheit (eigene oder die von Angehörigen)
  • Finanzen, Arbeit, Zukunft
  • Beziehungen, Alltagsaufgaben, „Kleinigkeiten“

Typisch sind Gedanken wie:

  • „Was, wenn doch etwas Schlimmes passiert?“
  • „Ich darf nichts übersehen.“
  • „Ich muss für alles vorbereitet sein.“

Oft fühlen sich Betroffene innerlich ständig angespannt, erschöpft und kommen schlecht zur Ruhe. Einschlafen fällt schwer, weil die Gedanken „nicht abschalten“.

Behandlung der generalisierten Angststörung

Ziele der Therapie sind:

  • das ständige Grübeln zu unterbrechen,
  • einen anderen Umgang mit Unsicherheit zu finden,
  • den Körper wieder an Entspannung und Erholung zu gewöhnen.

Wichtige Bausteine:

  1. Verstehen der Sorgenmechanismen
    Wir unterscheiden zwischen realen, lösbaren Problemen und hypothetischen „Was-wäre-wenn“-Sorgen. Gemeinsam schauen wir, welche Funktion das Sorgen bei Ihnen erfüllt und wie es gleichzeitig Leid erzeugt.
  2. Sorgenkonfrontation statt Grübelvermeidung
    Anstatt Sorgen immer weiter zu drehen oder sie zu unterdrücken, üben wir einen anderen Umgang damit:
    • „Sorgentagebuch“
    • begrenzte „Sorgenzeiten“
    • gezielte Konfrontation mit Worst-Case-Szenarien auf der Gedankenebene
  3. Kognitive Techniken
    Wir hinterfragen Grundannahmen wie „Unsicherheit ist gefährlich“ oder „Ich muss alles im Griff haben“. Schritt für Schritt entwickeln Sie flexiblere, realistischere Bewertungen.
  4. Körperliche Entlastung
    Verfahren wie progressive Muskelentspannung, Atemübungen oder Achtsamkeitsübungen helfen, den dauerhaft erhöhten Anspannungszustand zu regulieren.

Soziale Phobie (soziale Angststörung)

Wie äußert sich soziale Phobie?

Bei einer sozialen Phobie stehen Ängste vor der Bewertung durch andere Menschen im Vordergrund. Betroffene fürchten, sich zu blamieren, unangenehm aufzufallen oder negativ aufzufallen.

Typische angstauslösende Situationen:

  • Vor anderen sprechen (z.B. in Meetings, Vorträgen)
  • Essen, Trinken oder Schreiben in der Öffentlichkeit
  • Small Talk, neue Menschen kennenlernen
  • Im Mittelpunkt stehen (z.B. Geburtstage, Prüfungen)

Häufige Gedanken:

  • „Alle merken, wie nervös ich bin.“
  • „Die denken, ich bin dumm / langweilig / komisch.“
  • „Ich darf mir keinen Fehler erlauben.“

Viele Menschen entwickeln Sicherheitsverhalten, um vermeintlich peinliche Situationen zu vermeiden oder zu „kontrollieren“: wenig Blickkontakt, Vorbereitung jedes Satzes, Rückzug, Absagen von Terminen. Kurzfristig sinkt die Angst – langfristig verstärkt sich das Gefühl von Unsicherheit und sozialer Isolation.

Behandlung der sozialen Phobie

In der Therapie liegt der Fokus darauf,

  • die eigenen Ansprüche und Bewertungsmaßstäbe zu überprüfen,
  • den inneren Kritiker besser zu verstehen,
  • soziale Situationen schrittweise wieder aufzusuchen.

Das geschieht u.a. durch:

  1. Analyse von Gedanken und inneren Bildern
    Wir schauen, welche „inneren Filme“ in sozialen Situationen ablaufen (z.B. eine Szene, wie andere lachen oder sich abwenden). Diese Bilder werden bewusst gemacht und neu bewertet.
  2. Arbeit am Selbstwert und an Perfektionsansprüchen
    Viele soziale Ängste hängen mit sehr strengen Maßstäben sich selbst gegenüber zusammen. Wir arbeiten daran, menschliche Unvollkommenheit zuzulassen, ohne sie als Katastrophe zu bewerten.
  3. Rollenspiele und Verhaltensexperimente
    In geschütztem Rahmen üben wir herausfordernde Situationen (z.B. Gesprächseröffnungen, Kritik äußern, eigene Meinung vertreten). Später werden diese Experimente in den Alltag übertragen – mit klarer Planung und Nachbesprechung.
  4. Aufgabe von Sicherheitsverhalten
    Schrittweise werden Verhaltensweisen reduziert, die kurzfristig beruhigen, aber langfristig die Angst erhalten (z.B. ständiges Vermeiden von Blickkontakt, übermäßige Vorbereitung von Gesprächen).

Wie läuft die Behandlung in der kognitiven Verhaltenstherapie ab?

Unabhängig davon, ob es sich um Panikstörung, Generalisierte Angststörung, soziale Phobie oder spezifische Phobie handelt, folgt die Behandlung in der Regel einem ähnlichen Rahmen:

  1. Diagnostik und Klärung des Anliegens
    In den ersten Sitzungen klären wir gemeinsam, mit welcher Form der Angst Sie kämpfen, seit wann sie besteht und wie sie Ihren Alltag beeinträchtigt.
  2. Individuelles Störungsmodell
    Wir erarbeiten gemeinsam ein verständlich erklärtes Modell, das zeigt, wie Ihre Angst entsteht und was sie aufrechterhält (Gedanken, Gefühle, Körperreaktionen, Verhalten). Dieses Modell bildet die Grundlage für alle weiteren Schritte.
  3. Therapieziele
    Wir definieren konkrete, alltagsnahe Ziele, z.B.
    • wieder Bahn fahren können,
    • soziale Situationen entspannter gestalten,
    • besser schlafen und gedanklich „abschalten“ können.
  4. Übungs- und Veränderungsphase
    Ein wesentlicher Teil der Verhaltenstherapie besteht aus aktiven Übungen, die Sie teilweise auch zwischen den Sitzungen durchführen. So übertragen Sie das in der Therapie Gelernte Schritt für Schritt in Ihren Alltag.
  5. Abschluss und Rückfallprophylaxe
    Am Ende der Therapie schauen wir, welche Veränderungen Sie erreicht haben und entwickeln Strategien, wie Sie mit möglichen Rückfällen oder Stressphasen umgehen können.

Sie haben Interesse an einer therapeutischen Zusammenarbeit? Nehmen Sie gerne Kontakt mit mir auf.